
Ein regnerischer Samstagnachmittag, ein perfekter Zeitpunkt um sein Gehör nach Britannien zu wenden. Genauer gesagt nach Stoke-On-Trend, einem Städtchen in den englischen Midlands, nahe Birmingham, das klingt, als sei es einem Rosamunde Pilcher Roman entnommen. Aber, Kitschromane sind nicht the cup of tea für das Trio von Red Spektor, das seit 2013 existiert und mit unverschnörkeltem „3“ sein drittes Album herausbringt. In stylischem Black and White, was aber nicht auf Black Metal hindeutet – nein schaut man auf Album Nr.2 (Heart Of The Renewed Sun) erahnt man schon, dass es hier psychedelischer zugeht.
Die Scheibe erscheint über Kozmik Artifactz am 28th Juli 2023. Preorderlink.
Band: Rob Farrell- Bass + John Scane – Gitarre + Jonny Esp – Schlagzeug
Beim ersten Reinhören wird dann schnell klar, kristallklar: Stonerrockiger kann es aus UK kaum sein, denn es startet staubig, kratzig und knarzig. Der heiße Draht glüht auf den Saiteninstrumenten, Kopfnicktempo dabei moderat, nicht hektisch, nicht einschläfernd, dem natürlichen Körperrhythmus angepasst.
Heavy Rain, hier schaut zwischenzeitlich die Sonne aus den Wolken – und der Sound ist gutgelaunt, Boogie-Woogie hat hier seine Berechtigung erstritten und die Jungs haben gesagt: Ok, let’s feel like we are in New Orleans.
Ich hoffe sehr, Simon Dunkerley (Photograph und Manager der Band, kennengelernt bei einem „The Sonics“ – Konzert) erteilt mir die Absolution, dass ich nicht schon früher mit einem Review tätig geworden bin. Denn Red Spektor hatte er mir schon vor einiger Zeit ans Herz gelegt. Zu Recht.
Mit Track Nummer fünf sind wir jetzt angekommen beim Abheben, wir sind eingetaucht in die Wolken, die kleine Insel unter uns zeigt sich in unruhig abgezirkelten Feldern, weich und feucht wabern wir durchs fuzzige Himmelsgewölbe. Und fallen wie der Vater so der Sohn, wieder vom Apfelbaum. Sehnsuchtsgesang umfasst melodische Klänge, die sanft umspielen, was vernebelte Gehirnwindungen noch hergeben. Wir träumen uns davon, könnten liegen bleiben, bis wir zum Dünger der nächsten Generation Granny Smith werden.
Ein Kurzer Ausflug in progressive Gefilde, die Stimmlich sehr gut zu Herrn Farrell passen, reißen uns aus den Träumen, gerne werden wir hier aufgeweckt, das Blut wieder durch Arme und Beine wirbeln lassen, flinkes Fingerspiel auf den Saiten, treibende Kraft am Drumkit. Pusch uns zum Tanz, Roter Korsar! – ähm – Spektor.
Schon sind wir zu Nr. 8 geritten, ein klassischer Gefühlcocktail, ein Song als hätten wir ihn schon immer gehört, eine Version von universellem Wissen, wir kennen diesen Song so gut, schon lange, wir leben ihn, wir atmen ihn. Hier könnte ich noch 3:38 länger zuhören.
Der Baptist predigt heftig. Hat auf jeden Fall schon mal an einer geheimen Orgie mitgemacht Was auch immer dabei geopfert wurde, – Jungfräulichkeit, Hahn, Wiesenkraut oder ein verletztes Herz, es ist es wert. Der Kessel brodelt. No, I am not tired of this album, it is just the titel of the last song. Müde werde ich auch nicht immer wieder „neue“ Bands zu entdecken und euch vorzustellen. Lass die Stoke-On-Trend Bewohner stolz auf ihre Abkömmlinge werden und lasst sie mal durch die Welt touren! Allemal werden sie ein gutes Bild auf den Bühnen der uns bekannten Festivals und Venues sein. Brexit hin oder her, das wird doch wohl machbar sein, oder ? Ich würde mich freuen!
Trackliste:
1.Dust 04:01
2.Hot Wired 03:44
3.Heavy Reign 03:57
4.Absolution 03:44
5.Aeroplanes 04:12
6.Apple Tree 04:05
7.Progressive Toke 02:49
8.Misery 03:38
9.The Baptist 04:13
10.Tired 03:40
Sexinessfaktor: Ein Trisome mit Huge Grant, Tida Swinton und natürlich Benedict Timothy Carlton Cumberbatch auf dem Rücksitz eines rostigen Bentleys.